Eineinhalb Jahre ist es jetzt schon her, dass ich mein Studium beendet habe. Damals stand ich vor der Entscheidung, mache ich mit 27 noch ein Volontariat, gehe ich voll ins Risiko und arbeite weiter als freie Autorin, oder finde ich einen Redaktionsjob, der zu mir passt und für den ich mich wieder anstellen lasse?

JANUAR 2017 | UND JETZT?

Im Januar 2017 überschlug sich dann alles und kurze Zeit stand die Welt für mich still. Ich wollte immer Journalistin werden, um spannende Geschichten zu erzählen und landete kurzzeitig  in einer Firma, die rein gar nichts davon verkörperte. Ein Vorpraktikum für ein Volo wurde zur langweiligsten Arbeitserfahrung meines Lebens. Ich sah mich die nächsten zwei Jahre in einem Büro mit Kollegen, die nicht für ihren Job brannten und ohne Wertschätzung füreinander. Durch ein Unglück im engsten Freundeskreis musste ich das Praktikum nach der ersten Woche unterbrechen und in die Heimat reisen. Da wurde mir klar, wie kurz das Leben sein kann und dass ich meine Lebenszeit nicht in einem öden Job absitzen werde, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Ich arbeite gerne 150 %, aber nur wenn mich die Themen erfüllen. Zu diesen Themen zählen Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, digitaler Wandel, Feminismus – Dinge, die für unsere Welt von Bedeutung sind.

APRIL 2017 | CREATIVE PRODUCERIN BEI DASPROGRAMM

Etwa zeitgleich bewarb ich mich auf einen Job als Creative Producerin bei der Berliner Filmagentur dasprogramm  und bekam im Anschluss an den Unglücksjanuar die Zusage. Seit April letzten Jahres arbeite ich nun in einer Agentur. Videoproduktion und Strategieberatung sind unsere Profession und diese üben wir mit viel Liebe zum Detail aus. Kundenprojekte bringen einer Agentur das Geld was benötigt wird, um Gehälter zu bezahlen. Dennoch merkte ich, dass ich nicht nur 40 Stunden die Woche Projekte anderer umsetzen kann. Ich brauche Zeit fürs Schreiben und wenn auch viele unserer Kunden ganz tolle Themen haben, brauche ich den Journalismus, das Recherchieren von eigenen Themen um glücklich zu sein. Ich möchte selber kreativ aktiv sein. Und so arbeite ich seit Januar nur noch 4 Tage die Woche und schaffe mir langsam wieder Raum für eigene Projekte.

JUNI 2018 | PODCAST IDEEN BEWEGEN

Zu meinem Glück hegte meine Chefin Nike ebenfalls den Wunsch ein eigenes Format zu entwickeln. Wer Nike kennenlernt, merkt, dass in dieser warmherzigen, grünen Seele ganz viel Gründerinnengeist und Ideenreichtum brodelt, der die Gesellschaft bewegen kann und möchte. Und so haben wir im letzten halben Jahr mit dasprogramm bereits viele tolle GründerInnen mit inspirierenden Ideen in Berlin getroffen und mit ihnen Podcastsinterviews aufgezeichnet und dazu Videoteaser gedreht.  Alle ProtagonistInnen vereint, dass sie für gute Nachrichten und Hoffnung in unserer Gesellschaft sorgen. Vergangenen Donnerstag haben wir eine  Launchparty geschmissen und von nun an wird es immer am 14. eines Monats eine neue Folge unseres Podcasts Ideen bewegen geben. Mit dabei sind GesprächspartnerInnen wie Joana Breidenbach von betterplace.org und dem betterplace lab, Micha Bohmeier von Mein Grundeinkommen e.V., Raul Krauthausen, Suse Bauer und Lisa Jaspers von Folkdays.

INTERVIEW | NIKE WESSEL – GRÜNDERIN DASPROGRAMM

Da Nike den Podcast moderiert, möchte ich sie euch natürlich vorstellen und habe ihr ein paar Fragen gestellt.

An Ethical Journey: Nike, warum ist es an der Zeit für ein Format wie ‚Ideen bewegen‘?

Nike: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher”, sagte Einstein. Man braucht keine irren Präsidenten aus Nordkorea oder den USA um diese These höchst aktuell zu finden. Täglich, prasseln auf unzähligen Kanälen, schreckliche und deprimierende Nachrichten auf uns ein. Aber von dieser schaurigen Flut wollen wir uns nicht mitreißen lassen. Wir haben mutige & inspirierenden Menschen mit guten Nachrichten – für ein besser Morgen getroffen und daraus einen Podcast gemacht.

VON DER GRÜNDERIN ZUR MODERATORIN

An Ethical Journey: Du schlüpfst jetzt selbst von der Gründerinnenrolle in die der Moderatorin. Was ist das Spannende für dich daran?

Nike: Ich freue mich einfach ein eigenes Produkt im Team frei zu erfinden. Wie es uns gefällt ohne alle Vorgaben. Außerdem bin ich immer neugierig auf neue Leute und begeistere mich schnell für Ideen von anderen. Mich interessiert was sie antreibt, wann es Rückschläge gab und wer Vorbilder sind.

TEASER | PODCAST IDEEN BEWEGEN

An Ethical Journey: Gibt es schon jetzt etwas, das du aus den bisherigen Interviews mitgenommen hast? Etwas was dich inspiriert hat?

Nike: Alle die ich getroffen habe, haben gesprüht, waren ganz in Ihren Themen engagiert –aber auch oft darüber hinaus. Und selbst Hürden oder Ärgernisse scheinen sie nicht demotiviert zu haben. Ich bin aus diesen Gesprächen mit einem sehr guten Gefühl im Bauch gegangen – und hoffe einfach, dass man diesen Schwung auch hören kann.

Ich bin ein Kind der ökobewegten Achtziger, in Westberlin bei den Grünen sozialisiert und engagiert und hinterlasse meinen Kindern eben keine Welt auf die ich aufgepasst habe… Deshalb ist es mir heute mehr denn je ein Anliegen ökologisch zu handeln und einen Bewusstseinswandel mitzugestalten.

An Ethical Journey: Welche Themen bewegen dich momentan?

Nike: Vor allem der Klimawandel macht mir Sorgen. Ich würde mich als sehr angstfrei bezeichnen, aber das keine Insekten mehr auf der Scheibe sind, das Wasser nach dem Baden im See rote Pusteln macht, die Regenfälle vom letzten Jahr und meine vertrockneten Tomaten in diesem – das macht mir ehrlich Sorgen. Ich bin um die Welt geflogen, habe seit ich 18 bin ein Auto und konsumiere wie eine kaufkräftige Europäerin.  Allein was mein Anteil ist, daran was noch auf uns zukommt, schnürt mir manchmal die Luft ab. Dann stehe ich abends in unserer Wohnung, wo meine kleinen Kinder schlafen und habe Angst, die ich schwer teilen kann. Ich bin ein Kind der ökobewegten Achtziger, in Westberlin bei den Grünen sozialisiert und engagiert und hinterlasse meinen Kindern eben keine Welt auf die ich aufgepasst habe…  Deshalb ist es mir heute mehr denn je ein Anliegen ökologisch zu handeln und einen Bewusstseinswandel mitzugestalten.

An Ethical Journey: Warum sollte man den Podcast unbedingt abbonieren?

Nike: Ich glaube, dass wir mit dieser Serie viele unterschiedliche Themen behandeln werden, die immer wieder andere Aspekt von Wirtschaft, Weltsicht oder Konsum beleuchten. Die zum hoffentlich Nachdenken anregen.

An Ethical Journey: Was ist deine gute Nachricht?

Nike: Ich halte es da mit den Monty Pythons “Always look on the bright side of life.”

PODCAST #01 MYRKA studios | Ideen bewegen

Das erste Interview hat Nike mit den beiden Gründerinnen Lia und Lydia vom veganen Fair Fashion Label MYRKA studios geführt. Hier könnt ihr euch den Teaser anschauen und die erste Episode anhören.

Den Podcast ‘Ideen bewegen’ könnt ihr natürlich auch auf iTunes abbonnieren.

 

2 Comments

  • 5 Monaten ago

    Diese Sinnfrage die du hattest kann ich absolut nachvollziehen! Selbst ich stelle mir gerade im Studium nicht selten die Frage, was zum Herren ich dann später mal machen will, weil lust auf die Norm und dieses ” ich arbeite damit ich essen kann damit ich wieder arbeiten gehen kann” hab ich ganz und gar nicht. Ich finde es so inspirierend dass du deinen Weg gefunden hast! Mach weiter so!

    Liebst Franzi

    • Isabelle Rogge
      5 Monaten ago

      Danke Franzi! <3 Ich habe auch echt schon einige Jobs in verschiedenen Branchen gemacht und merke mit der Zeit sogar, dass es schön ist sich immer wieder neu zu finden. Aber wenn man dann mal das Gefühl hat, sich mit seiner Arbeit identifizieren zu können und auch mal anzukommen, ist es auf jeden Fall was wert.

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